„Die Würde des Menschen ist abschiebbar“ Lesung und Diskussion am 16. Januar (20 Uhr) im HS 2


Was ist und war Abschiebehaft? Wer ist davon betroffen? Wie verläuft der institutionelle Prozess der Abschiebehaft?

In ihrem Buch „Die Würde des Menschen ist abschiebbar“ beantworten Sebastian Nitschke und Lina Droste diese und weitere Fragen zur Abschiebehaft in Deutschland. Im Rahmen des politischen Aktivismus der Autor*innen gegen die Abschiebegefängnisse in Büren und Darmstadt entstanden Texte zu Haftbedingungen, Gerichtsakten, Isolationshaft sowie Erfahrungsberichte, Portraits und Gespräche mit Inhaftierten über ihre Ausschusserfahrungen in Deutschland und ihren Herkunftsländern.

Am Montag, den 16. Januar wird Sebastian Nitschke Auszüge aus seinem Buch vorlesen und anschließend mit dem Publikum diskutieren. Die Lesung findet im Hörsaal 2 (Philosophische Fakultät) der Uni Passau statt. Eintritt frei!

Wir laden euch herzlich ein, vorbeizukommen, mitzudiskutieren und mehr zu den Bedingungen und Realitäten deutscher Abschiebehaft zu lernen.

Denn: Das Thema Abschiebehaft betrifft auch uns hier in Passau. Im Passauer Ortsteil Königschalding wird gerade eine neue „Kombianstalt“ errichtet, bei der neben der Justizvollzugsanstalt auch ein sogenanntes Abschiebegefängnis für mindestens 100 Abschiebehäftlinge entstehen soll. Das Projekt kostet mitterweile schon über 200 Millionen Euro und ist die erste Anstalt in Deutschland, in der JVA und Abschiebegefängnis kombiniert sind. Eigentlich müssen diese rechtlich strikt voneinander getrennt werden.

Doch die Errichtung einer solchen Anstalt ist ein großes Problem: Geflüchtete in Abschiebehaft werden oft als Straftäter:innen stigmatisiert, obwohl sie rechtlich keine Straftat begangen haben. Sie dürfen dort lediglich festgehalten werden, wenn “akute Fluchtgefahr” besteht. Dieser Begriff ist allerdings sehr weit auslegbar, ein Großteil der Betroffenen sitzt zu Unrecht in Haft.

Jedes zusätzliche Abschiebegefängnis erleichtert zudem den Behörden, den Prozess der genauen Einzelfallprüfung zu umgehen und stattdessen leichtfertig Abschiebehaft anzuordnen. Die neue Haftanstalt in Passau ist nicht nur völlig unverhältnismäßig, sondern steht auch im Widerspruch zu einer humanen Migrationspolitik!