Luftbrücke aus Afghanistan


Luftbrücke aus Afghanistan

Nach knapp 20 Jahren Einsatz wurden am 30.06.2021 die letzten Soldat*innen der Deutschen Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen. Damit schloss sich Deutschland ihrem US-Amerikanischen Verbündeten an, welcher seine Truppen bis zum 4. Juli (Nationalfeiertag) aus Afghanistan abzog. „Gemeinsam rein, gemeinsam raus“, lautete die Devise. Zurück blieben zivile Ortskräfte, welche zusammen mit den westlichen Kräften arbeiteten, z.B. als Dolmetscher, und alle Afghan*innen, welche sich für ein demokratisches und offenes Afghanistan einsetzten. Seit dem Abzug befanden sich die islamistischen Taliban in weiten Teilen des Landes wieder auf dem Vormarsch und brachten bald eine Großstadt nach der anderen wieder unter ihre Kontrolle. Am 15. August sah sich der afghanische Präsident Ghani gezwungen aus der Hauptstadt Kabul ins Ausland zu fliehen. Er befindet sich nun in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Kurze Zeit nach seiner Flucht eroberten die Taliban den Präsidentenpalast. Seit diesem Zeitpunkt befindet sich die gesamte Macht im Land vollständig in der Hand der islamistischen Organisation. Und was ist mit den Menschen, die sich gegen diese Terrorherrschaft engagierten und mit den Truppen der USA und Deutschland kooperierten? Sie sind den Taliban nun ausgeliefert, welche sie als Verräter betrachten. Bereits im Juni wurde im Reichstagsgebäude in Berlin über einen Antrag der Grünen abgestimmt, Ortskräfte und ihre Familien auszufliegen. Die Linke stimmte dafür, die FDP enthielt sich. Alle anderen Fraktionen im Bundestag stimmten dagegen. Der Antrag wurde somit abgelehnt. „Ich schäme mich für Deutschland“, hält Susanna Lindlein (Seebrücke & GJ Passau) treffend fest.

Am Freitag den 20.08. hielten wir deshalb eine Kundgebung am Klostergarten (kleiner Exerzierplatz) und schlossen uns den bundesweiten Protesten und Demonstrationen der Seebrücke an. Wir wollen unsere Solidarität mit den Menschen in Afghanistan zeigen und Druck auf die Bundesregierung aufbauen, sie endlich verstärkt zum Handeln bringen. Unsere Forderungen:

  1. Die sofortige Errichtung einer Luftbrücke, um akut gefährdete Menschen und ihre Familien nach Deutschland zu holen
  2. Schutz und Aufnahmeprogramme für allen Afghan*innen, die vor den Taliban verfolgt werden
  3. Die direkte Aufnahme der Menschen aus Afghanistan von bereitstehenden Ländern und Kommunen ermöglichen
  4. Die Einrichtung sicherer Fluchtwege für alle, die ihr Land verlassen wollen
  5. Sicherheit und dauerhaftes Bleiberecht für alle Afghan*innen, welche bereits in Deutschland leben und kommen werden

An unserer Kundgebung beteiligten sich Redner*innen der Jusos, Amnesty International HSG und Luksin. Darüber hinaus durften wir die Direktkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl, Stefanie Auer, und den Direktkandidaten für die Linke, Josef Ilsanker, am Mikrofon begrüßen. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und natürlich bei allen, die dort waren, um dem Thema Aufmerksamkeit zu schenken, Flagge zu zeigen und ihre Solidarität Kund zu tun. Wichtig bleibt: Darüber reden, nicht zu schweigen und Veränderungen zu erwirken.